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| Die Geschichte der Alten Kirche um Überblick |
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1. Das Zeitalter der Apostolischen Väter (Ende 1. Jh. - Mitte 2. Jh.)
Die wichtigsten Schriften der Apostolischen Väter
1. Clemensbrief (ca. 95 n.Chr.)
Beim 1. Clemensbrief handelt es sich um ein Schreiben aus Rom an die Gemeinde von Korinth. Gott wird als Gott der Ordnung in Natur und Geschichte betrachtet. Das zentrale Thema des Briefes ist die Schöpfung und damit verbunden eine durchwegs positive Stellung zur Welt.
Ignatius-Briefe / Ignatianen (um 115 n.Chr.)
Die Ignatianen sind sieben Briefe, die von Ignatius von Antiochien verfasst worden sind. Sie thematisieren das Wirken des Geistes, sind also charismatische Schriften. Des weiteren wenden sie sich gegen Irrlehren und fordern bedingungslosen Gehorsam gegenüber dem Bischof als Abbild des Gehorsams gegenüber Gott ein. Besondere Bedeutung kommt den Ignatianen zu, da in ihnen zum ersten Mal von der καθολικ&eta εκκλεσι&alpha die Rede ist.
Polycarp-Brief (110 n.Chr. in Smyrna)
Barnabas-Brief (130 n.Chr. in Ägypten)
Papias-Fragmente (150 n.Chr.)
Die drei letztgenannten betrachten die Weltgeschichte in sechs Jahrtausenden (die den sechs Schöpfungstagen entsprechen) und erwarten eine 1000jährige Christusherrschaft am Ende der Zeiten (Chiliasmus).
Didache (Zwölf-Apostel-Ordnung) (1. Hälfte 2. Jh. n.Chr.)
Die Didache (= Lehre) beinhaltet kultische Vorschriften z.B. die Taufe oder das Fasten betreffend sowie feste Regeln für das alltägliche Gemeindeleben.
2. Clemensbrief (um 140 n.Chr.)
Beim 2. Clemensbrief handelt es sich eigentlich gar nicht um einen Brief. Außerdem stammt er nicht von Clemens selbst. Vielmehr liegt hier eine Homilie eines Presbyters vor. Interessant ist dieser Text besonders deshalb, weil er Herrenworte enthält, die in der kanonischen Überlieferung nicht zu finden sind.
Hirt des Hermas (150 n.Chr. in Rom)
Hauptthemen dieser Schrift sind die Taufe und Buße. Hermas postuliert eine Verpflichtung zum heiligen Leben, die aus der Kraft der Taufe heraus erwächst. Sünde wird als Verhängnis bewertet. Der Text ist geprägt von einer starken Parusie-Erwartung. Hermas erwartet die Wiederkehr Christi in Form eines Gerichts. In einem zweiten wichtigen Teil wird eine Vision wiedergegeben, die eine Möglichkeit zur wiederholten Buße einräumt.
Gründe für die Ausbreitung des Christentums
Das Christentum breitete sich äußerst rasch und gleichmäßig innerhalb des Römischen Reiches aus. Zentrum dieser Verbreitung war Kleinasien, die heutige Türkei. Die gemeinsame Sprache der Kirche war das Koine-Griechisch, wodurch ein reger geistiger Austausch mit allen Regionen des Römischen Reichs ermöglicht wurde. Einen besonderen Nährboden für das Christentum stellt die hellenistische Kultur, besonders der mittlere Platonismus dar, worin viele Gedanken, die das Christentum umgesetzt hat, bereits angelegt waren. Zuträglich war außerdem eine überwiegend tolerante Religionspolitik der römischen Herrscher. Zudem förderte die pax Augusta, sowie der intensive Handel zwischen den Provinzen die Ausbreitung der christlichen Religion.
Neben diesen äußeren Gründen waren es aber auch innere Ursachen, die das Christentum für seine Umwelt attraktiv machten. Die Christen wandten eine Lebensführung an, die sich radikal von der der Heiden unterschied. Im Christentum waren karitatives Engagement und die Gleichberechtigung von Frauen sowie Sklaven wichtige und attraktive Neuerungen gegenüber der heidnischen Gesellschafts- und Frömmigkeitsstruktur.
Frühe Christenverfolgungen durch den römischen Staat und ihre Ursachen
(vgl. hierzu auch den Artikel ⇒ Christenverfolgungen)
Um 64 n.Chr. kam es unter Kaiser Nero zu einem lokal begrenzten Pogrom gegen Christen in Rom, bei dem evtl. Petrus und Paulus das Martyrium erlitten haben. Nero benutzte die Christen als Sündenbock für den Brand Roms.
Im Jahr 95 n.Chr. gab es unter Domitian Verfolgungen von Christen in Rom und Kleinasien, und ab 100 n.Chr. wiederum einzelne, lokal begrenzte Verfolgungen. In diese Zeit fällt auch der berühmte Christenbrief des Plinius (ep. 10, 96), sowie das Reskript Trajans.
Die Ursachen für das Misstrauen der heidnischen Bevölkerung und Führung gegenüber den Christen wurzelte im Wesentlichen in der Tatsache, dass die Christen die existierenden Verhältnisse in Staat und Gesellschaft radikal in Frage stellten und damit das gesellschaftliche Fundament gefährdeten. Zudem machten ihr enges und oft zurückgezogenes Gemeinschaftsleben, die strenge Lebensführung, sowie die Bereitschaft, für den Glauben in den Tod zu gehen die Christen zusätzlich verdächtig.
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Das Verhältnis von Juden und Christen in nachapostolischer Zeit
Im Jahre 70 n. Chr. wurde im Zuge der Niederschlagung eines jüdischen Aufstandes der Tempel in Jerusalem zerstört. im 2. Jh. n. Chr. unter den Kaisern Trajan und Hadrian wurde dann der jüdische Widerstand gegen Rom, der sich im Bar-Kochba-Aufstand manifestierte, endgültig niedergeschlagen (135 n.Chr.)
Die Folgen waren zum Einen der Abschluss des Judentums nach innen, was sich v.a. im 18-Bitten-Gebet (etwa 90 n.Chr.) niederschlägt. Dort findet sich eine Verfluchung von Separatisten.
Die christliche Jerusalemer Gemeinde, die aus Judenchristen - also zum Christentum übergetretenen Juden - bestand, floh ins Ostjordanland und verlor stark an Bedeutung. Andere christliche Gemeinden hingegen wurden zunehmend selbstbewusst und entwickelten z.T. eine antijüdische Ausprägung (dies schlägt sich etwa im Barnabasbrief oder den Ignatius-Briefen nieder). Das so erstarkende Heidenchristentum wendet sich von den jüdischen Geboten ab, was letztlich dazu führt, dass das frühe Christentum in den griechischen Kulturkreis eingebettet wird.
Die Konsolidierung der kirchlichen Ordnung
Im Urchristentum waren die Gemeindefunktionen charismatisch geprägt (Apostel, Propheten, Lehrer), woraus sich zwei Modelle von Gemeindeleitung ergaben: 1. die aus der judenchristlichen Strömung kommende Presbyterialordnung und 2. die durch Paulus geprägte Episkopalordnung.
In der Zeit der Apostolischen Väter verschmelzen beide Modelle; es entsteht die Ämtertrias Bischof, Presbyter und Diakon. Bereits in dieser Zeit gilt das Bischofsamt als besonderes Leitungsamt mit Vorbildcharakter für die Gemeindeglieder. Das Monepiskopat bildet sich zuerst in Syrien und Kleinasien heraus. Eine wichtige Quelle hierfür sind die Ignatiusbriefe. Die Feier der Ordination entwickelt sich nach jüdischem Vorbild um etwa 100 n. Chr. in Kleinasien. Prägend für das Monepiskopat ist der Gedanke der apostolischen Sukzession. Durch sie sollte sichergestellt werden, dass durch die ununterbrochene Folge der Amtseinsetzung die rechte Lehrtradition jeweils übernommen und weitergegeben wird.
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2. Die Apologeten
(vgl. hierzu auch die Aufsätze in der Rubrik ⇒ Personen)
Eine wichtige Neuerung, die die apologetischen Schriftsteller in die christliche Literatur hineinbrachten, war die Tatsache, dass nunmehr nicht mehr primär Christen für Christen schrieben, sondern dass christliche Schriftsteller mit ihren Texten nun offensiv an ein heidnisches Publikum herantraten. In diesen Schriften finden Auseinandersetzungen mit Philosophie, den heidnischen Götterkulten und den ⇒ Anfeindungen statt, denen sich Christen ausgesetzt sahen. Oft sind die apologetischen Schriften an hohe Verwaltungsbeamte des römischen Staates, z.Z.t Marc Aurels sogar an den Kaiser selbst adressiert.
Grundsätzlich versuchen alle Apologeten, das Christentum als legitime Religion zu erweisen, die nicht den römischen Staat untergräbt. Das Christentum wird oft als vernunftgemäße Religion dargestellt, die vom λóγο&sigmaf gelenkt ist und eben nicht vom παθο&sigmaf. Meist geht diese Darstellung mit einer Verwerfung der gegenwärtigen philosophischen Strömungen einher, die allerdings Platon und Sokrates ausnimmt, da der von diesen postulierte λóγο&sigmaf, der von Anbeginn der Welt an da war, von den Christen als "Christus vor Christus" interpretiert wurde. Platon und Sokrates werden also in gewisser Weise als Wegbereiter für das Christentum betrachtet.
Wichtige Apologeten und ihre Werke
Justin der Märtyrer († um 165)
Justin verfasste zwei Apologien, sowie den Dialog mit dem Juden Tryphon
Tatian
Tatian war ein Schüler Justins. Sein Hauptwerk ist die "Rede an die Hellenen". Dabei handelt es sich weniger um eine Apologie als vielmehr um eine Streitschrift gegen die gesamte griechische Kultur. Ein weiteres bedeutendes Werk Tatians ist das Diatessaron, eine Evangelienharmonie, die aus den vier Evangelien eine einheitliche Darstellung erstellt.
Aristides
Athenagoras
Melito von Sardes (175)
Melito beschreibt die Entstehung und das Wachsen der Kirche und verbindet diese mit der Blüte des Römischen Reichs.
Minucius Felix
Die wichtigste Schrift des Minucius Felix ist der Octavius.
⇒ Tertullian († 210)
Tertullian hat ein umfassendes Werk hinterlassen, das größtenteils auf uns gekommen ist. Seine wichtigste Schrift ist der liber apologeticus, das sog. Apologeticum, in dem er sich mit den ⇒ heidnischen Vorurteilen gegen das Christentum auseinandersetzt. Charakteristisch für Tertullian ist seine messerscharfe Rhetorik.
⇒ Cyprian von Karthago († 258)
Cyprian verfasste v.a. Briefe, in denen er sich mit drängenden theologischen Problemen seiner Zeit auseinandersetzt.
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Der christliche Gnostizismus
Unter dem Begriff "Gnostizismus" fasst man diverse Richtungen zusammen, die die späthellenistische synkretistische religiöse Bewegung der Gnosis in das System einer Weltdeutung erhoben haben. Dementsprechend versucht der christliche Gnostizismus, das Christentum in ein allgemeines religionsphilosophisches System einzufügen.
Die wichtigsten Quellen für dieses Phänomen sind ab 400 n.Chr. weitgehend vernichtet worden, eine kleine Anzahl von Schriften des christlichen Gnostizismus ist aber in koptischer Übersetzung erhalten geblieben: so etwa die Pistis Sophia oder die zahlreichen Nag-Hammadi-Texte (z.B. Thomasevangelium, Evangelium der Wahrheit). Die Strömung des christlichen Gnostizismus wird jedoch auch in den antignostischen Schriften des Irenäus, Tertullian oder Hippolyt greifbar und z.T. rekonstruierbar.
Ausgangspunkt christlich-gnostischer Spekulationen ist immer die Seele des Menschen, die sich erlösungsbedürftig und gefangen in der materiellen Welt nach ihrem göttlichen Ursprung zurücksehnt. Diese Erlösung kann durch Erkenntnis (γνῶσις) über ihren Ursprung und ihr Ziel erreicht werden.
Christlich-gnostisches Gedankengut ist vor allem durch einen stark ausgeprägten Dualismus zwischen Geist und Materie, Gut und Böse, Gott und Welt gekennzeichnet. Dabei wird unterschieden zwischen dem höchsten Gott und einem niederen Weltschöpfer (Demiurg). Der höchste Gott sendet einen himmlischen Erlöser in die materielle Welt. Dieser Gottessohn ist aber nur äußerlich mit dem Menschen Jesus verbunden; bei der Kreuzigung trennt er sich wieder von Jesus. Man spricht angesichts dieser nur scheinbaren Menschwerdung des Gottessohnes von doketischer Christologie.
Aus der negativen Bewertung der materiellen Welt entstanden zwei wesentliche ethische Ausrichtungen des christlichen Gnostizismus. Da die Erlösung der Seele in der Befreiung des Gesites von der Materie besteht, führten einige christlich-gnostische Gruppierungen einen streng asketischen Lebenswandel, um die Erlösung zu erreichen. Aus der Auffassung, die Materie sei ohne Bedeutung entsprang jedoch ebenso eine libertinistische Grundhaltung einiger Gruppierungen.
Wichtige Gestalten des christlichen Gnostizismus waren Simon Magus (vgl. Apg 8) und Kerinth, der um 100 n.Chr. in Kleinasien auftrat. Außerdem sind drei große Systeme des christlichen Gnostizismus greifbar:
- die Ophiten sahen in der Schlange der Schöpfungsgeschichte (Gen 3) die von GOtt gesandte Vermittlerin der wahren Gnosis und verbanden diese Lehre mit der orientalischen Mythologie. (Eine Quelle hierfür ist der sogenannte Naassenerpsalm.)
- Der aus Syrien stammende Basilides ist der Gründer des Schule der Basilidianer in Alexandrien, die ab 130 n.Chr. greifbar ist. Ihre Grundidee war die philosophische Interpretation von mythologischen Geschichten, sowie eine ausgeprägte Äonenlehre.
- Valentin, ein aus Alexandrien stammender Schüler des Basilides setzt sich v.a. mit dem Theodizee-Problem auseinander, indem er fragt, woher das Böse stammt, wenn die Welt doch im guten Gott gründet. Seiner Ansicht nach entsteht die Welt aus dem Fall der präexistenten Weisheit (Sophia). Der sog. Sophia-Mythos erzählt auf mythologische Weise die biblische Heilsgeschichte nach und versucht so, eine Antwort auf die Frage nach der Weltentstehung und der Erlösungssehnsucht zu geben. |
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Der "Erzketzer" Marcion
Marcion, der in der Kirchengeschichte oft als "Erzketzer" bezeichnet wurde, war ein Schiffsreeder aus Sinope am Schwarzen Meer, wo sein Vater den Bischofssitz innehatte. Zur Zeit des Kaisers Antoninus Pius kam Marcion nach Rom, wo er zunächst innerhalb der dortigen Gemeinde für seine Ideen warb. Um 144 n.Chr. trennte er sich von der römischen Gemeinde, bzw. der gesamten Großkirche und gründete eigene Gemeinschaften (sog. Marcioniten), die sich rasch ausbreiteten.
Marcion vestand sich selbst als Reformator, der die christliche Verkündigung von allen sog. judaistischen Verfälschungen reinigen wollte. Das von Marcion propagierte Ziel war die Rückkehr zur wahren paulinischen Lehre. Marcion legte erstmals einen geschlossenen Kanon neutestamentlicher Schriften vor, den er den alttestamentlichen Schriften entgegenstellte, die er vollständig verwarf. Dieser Kanon enthielt ein von allen alttestamentlichen Zitaten gereinigtes Lukas-Evangelium und zehn Paulusbriefe. Dieser Kanon sollte verhindern, dass jüdische Denkweisen in das Evangelium eindrangen. Marcion hat insofern für die Kirchengeschichte eine entscheidende Rolle gespielt, als in Abgrenzung von seinem Kanon auch die orthodoxe Kirche gezwungen war, eine verbindliche Sammlung der rechtgläubigen Schriften vorzulegen. (vgl. hierzu auch die Seite ⇒ Kanon des NT)
Obwohl Marcion eine doketistische Christologie vertrat, ist er nicht ohne Weiteres dem christlichen Gnostizismus zuzuordnen. Marcions Lehre weist beispielsweise keinerlei synkretistische Tendenzen auf, die für christlich-gnostische Gruppierungen charakteristisch sind. Dennoch wird man nicht umhinkommen, davon auszugehen, dass Marcion vom christlichen Gnostizismus beeinflusst war. So behauptet etwa Irenäus, Marcion sei ein Schüler des Gnostikers Credo gewesen.
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| 3. Die Entstehung der frühkatholischen Kirche |
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eine Seite aus dem sog. Canon Muratori |
Die sogenannten katholischen Normen
Unter den katholischen Normen versteht man die Trias von neutestamentlichem Kanon, regula fidei und Monepiskopat. Diese sind im Wesentlichen um 200 ausgebildet. Mit ihnen versuchte die Kirche, den Einfluss des christlichen Gnostizismus einzudämmen und sich von häretischen Gruppen wie den Marcioniten oder den Montanisten abzuwenden. Der exklusive Anspruch des Christentums in Form der Kirche wurde also untermauert.
Der neutestamentliche Kanon wurde aus verschiedenen Gründen für die frühen Christen notwendig. Bereits in früher Zeit nutzten sie in ihren gottesdienstlichen Versammlungen neben den Schriften der Septuaginta (LXX) auch diverse frühchristliche Schriften. Schnell entstand das Bedürfnis, diese in Gruppen oder Sammlungen zusammenzufassen. So wurde bereits um 100 n.Chr. eine Sammlung von Paulus-Briefen im Gottesdienst benutzt und um 150 n.Chr. löste in Kleinasien die Gruppe der vier Evangelien die bis dahin vorwiegend mündliche Überlieferung der Jesus-Worte ab.
Durch das Wirken Marcions, der in Ablehnung der jüdischen Traditionen im Christusglauben erstmals eine für ihn verbindliche Sammlung von Schriften vorlegte, wurde die Kirche in Zugzwang gesetzt. Die Antwort auf den Kanon Marcions war die Zusammenführung der vier Evangelien mit der Sammlung der Paulusbriefe. Hinzugefügt wurde noch die Apostelgeschichte, sowie der erste Petrusbrief, die drei Johannesbriefe und die Offenbarung des Johannes. Den hohen Grad an Verbindlichkeit dieser Sammlung kann man daran ablesen, dass schon Irenäus (ca. 132 - 202 n.Chr.) seine Verwerfung der gnostischen Lehren mit Hilfe der Schriften dieses Kanons belegt.
Ein wichtiges Dokument in diesem Zusammenhang ist der sogenannte Canon Muratori, eine heute in Mailand aufbewahrte, auf Pergament erhaltene Abschrift eines älteren Dokuments. Auch wenn die Abschrift wesentlich jünger ist, stammt die Vorlage doch wahrscheinlich aus der Zeit um 200 n.Chr. und verweist nach Rom. (Zu weiteren Informationen über den Canon Muratori und zu Fragen der Datierung s.⇒ Kanon des NT)
Bleibt festzuhalten, dass gegen Ende des 4. Jahrhunderts n.Chr der Prozess der Kanonbildung abgeschlossen war und in seinem Umfang feststand. Im 39. Osterfestbrief des Athanasius aus dem Jahre 367 n.Chr. wird erstmalig eine Liste aller 27 Schriften, die bis heute den neutestamentlichen Kanon bilden, geboten.
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Mit regula fidei werden die normativen Elemente der apostolischen Verkündigung bezeichnet, die für alle Gemeinden der Kirche als verbindlich angesehen wurden. Es handelt sich also gewissenmaßen um die Essenz der gesamten apostolischen Botschaft. Zu Beginn ihrer Entstehung war die regula fidei eine zunächst eingliedrige, dann zwei- bis dreigliedrige Bekenntnisformulierung (vgl. hierzu den Aufsatz ⇒ Bekenntnisse). Zum ersten Mal begegnet uns eine solche Formel außerhalb des Neuen Testaments in Form des sogenannten Romanum, dem römischen Taufsymbol, das um etwa 150 n.Chr. entstanden ist:
"Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
den Heiligen Geist, die Kirche und die Auferstehung."
In der Weiterentwicklung dieses noch recht schlichten Bekenntnisses wird es zunehmend mit theologischen Inhalten versehen; so wird etwa die christologische Komponente noch um zahlreiche Angaben ergänzt. Das Ergebnis dieses Prozesses ist das auch heute noch verbindliche sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis (Apostolicum). Diese Formelhafte Zusammenfassung des christlichen Bekenntnisses diente v.a. der Abwehr von Häretikern. |
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Der Monepiskopat entstand erstmals in Kleinasien, wo aus dem Kollegium der Presbyter ein einziger die Leitung übernahm. Der Grund hierfür lag ebenfalls in der Abwehr von Häresien, und der Bezeugung von christlicher Wahrheit, was eine einzelne Person besser leisten konnte, als ein Gremium. Der Zweck des Monepiskopats lag v.a. in der Bewahrung des christlichen Glaubensguts (vgl. 1Tim 6,20). Zudem wurde durch die ununterbrochene Abfolge von Bischöfen sichergestellt, dass die apostolische Tradition gewahrt blieb.
Wichtige Kirchenschriftsteller dieser Zeit waren Irenäus von Lyon, Clemens von Alexandrien und ⇒ Tertullian.
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4. Das Christentum im 3. Jahrhundert / Die Konstantinische Wende
Das dritte nachchristliche Jahrhundert war vor allem durch ein wachsendes kirchliches Selbstbewusstsein und der damit verbundenen Ausbreitung des Christentums bestimmt. Ebenso war die Kirche aber auch in der zweiten Hälfte des 3. Jhs. n.Chr. den schweren ⇒ Verfolgungen ausgesetzt. In den Jahren 249-251 n.Chr. fand die erste reichsweite und systematische Verfolgung von Christen unter Kaiser Decius statt. Bereits wenige Jahre später (257/258 n.Chr.) folgte dann die zweite schwere Verfolung unter Valerian, bevor es dann 303-311 zur letzten großen Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian kam. Trotz dieser ständigen Bedrohung der Personen und Institutionen der Kirche konnten die Christenverfolgungen die Kirche nicht in ihrem Bestand gefährden.
Herausragende Persönlichkeiten dieser Zeit waren der etwa 185 n.Chr. in Alexandrien geborene Theologe Origenes und ⇒ Cyprian von Karthago |
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Motiviert war die staatliche Verfolgung der Christen im Wesentlichen durch drei Gründe. Die Christen hegten eine stark ausgeprägte eschatologische Hoffnung, die immer eine Kritik an der bestehenden Welt implizierte. Ihr strenger Monotheismus machte es den Anhängern des Christusglaubens unmöglich, am Kaiserkult zu partizipieren, was einen Affront gegen den römischen Staat darstellte. Zudem wurden die Christen als Fremdkörper empfunden. In ihrer Heilsgewissheit, ihrem engen Gemeinschaftsleben und ihrer strengen Lebensführung, die sogar die Bereitschaft, für den Glauben zu sterben einschloss, unterschieden sie sich stark von den gesellschaftlichen Normen des römischen Kaiserreichs.
Die Rechtslage, die die Christenverfolgungen legitimierte, ist aus heutiger Sicht recht uneinheitlich. Das Christentum war keine religio licita, also keine der erlaubten Religionen, aber es war auch nicht verboten, sondern lediglich verdächtig. Das bedeutet, dass es stets im Ermessen der jeweiligen Statthalter und Magistrate lag, wie sie mit dem Christentum umgingen. |
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